Himmel * und Zwirn · Schneiderei · Strickerei

Mein selbstgemachter Mai

Ganz leise habe ich beim Me Made Mai 2017 teilgenommen. Schon lang wollte ich die jährliche Aktion von Zoe und ihrem Blog „So, Zo … What do you know?“ ausprobieren. Doch auf Grund anstehender Untersuchungen bei meinem Mann, das Warten auf Ergebnisse und Entscheidungen, war ich sehr skeptisch, ob ich das tägliche dokumentieren meiner selbstgemachten Kleidungsstücke durchhalten würde. Und ich fragte mich, ob eine Aktion wie diese Platz hat … Platz haben darf … wenn ich gleichzeitig ganz andere Dinge im Kopf habe und durchdenken muss.

Jetzt ist der Mai vorbei. Und ich habe es geschafft, an fast jedem Tag Bilder zu machen mit dem, was ich aus meinem Kleiderschrank zog. Und die Ablenkung, die ich dadurch erfahren habe – das kurze Durchatmen und Beschäftigen mit leichten, schönen Dingen – war einfach Gold wert. Außerdem habe ich mit dem Posieren und Verrenken mit der Kamera vor unserem Spiegel regelmäßig für Lacher bei meinem Mann und unserem Sohn gesorgt, die sich dann und wann mit auf die Bilder schummelten. Das allein ist es ja schon wert! (: Die entstandenen Bilder zeigen einen Blick in meinen Kleiderschrank, der dabei mehr praktisch als abwechslungsreich und aufregend ist … na, zumindest für meine Verhältnisse. Ich habe bewusst die selben Röcke und Kleider an mehren Tagen getragen, ganz wie ich es in meinem Alltag auch mache.

Montag, 1. Mai bis Sonntag, 7. Mai 2017

Den 1. Mai habe ich gleich einmal ausgelassen – am Feiertag lümmelten wir einfach zu Hause rum und ich trug, wenn ich mich richtig erinnere, gekaufte Kleidung. Den Entschluss, mich am „Me Made May 2017“ zu beteiligen, traf ich erst an diesem Tag, als ich die Bilder anderer KleidermacherInnen sah. Danke für eure Motivation! An den folgenden Tagen trug ich Selbstgeschneidertes: am 2. Mai den „Ultimate Pencilskirt“ von Sew Over It, den ich noch nicht auf dem Blog vorgestellt habe, sowie mein erstes selbstbestricktes Tuch. Am 3. und 4. Mai zog ich meinen geliebten Seemannstellerrock aus dem Schrank, der mich seit Jahren begleitet. Am 5. Mai entschied ich mich für ein Retro-Hemdblusenkleid nach einem Einzelschnitt von Burda aus Dirndl-Stoff, das sehr bügelintensiv ist und daher leider viel zu selten aus meinem Schrank kommt. Am 6. Mai trug ich mein neues Kleid aus japanischem Baumwollstoff mit Libellendruck nach einem Baukastenschnitt von Gretchen Hirsch. Auch mein kleiner Sohn trägt an diesem Tag von mir Selbstgeschneidertes: Mütze und Sweatjacke entstanden an meiner Nähmaschine. Sonntag, den 7. Mai, habe ich wieder ausgelassen. Und da wurde mir bereits deutlich, was in meinem Kleiderschrank fehlt: selbstgemachte Kleidung für Tage, die ich gemütlich in Familie zu Hause verbringe, in denen man drinnen und draußen spielen, Mittagsschlaf machen, essen, allein sein oder sich spontan verabreden kann – ohne sich umziehen zu müssen.

Montag, 8. Mai bis Sonntag, 14. Mai

Am Montag, 8. Mai hatte ich frei. Und was sich am Sonntag schon andeutete, wurde nun ganz klar: unsers Kind hatte sich einen fiebrigen Infekt eingefangen. Im Jahre alten selbstgenähten Shiftkleid aus gemütlichem Sweatshirtstoff ging es zum Kinderarzt. In den folgenden Tagen war ich mit unserem Sohn zu Hause, was am 9.Mai vor allem gemeinsames Spielen, Lesen und Kuscheln bedeutete. Neben Kaufkleidung trug ich dazu selbstgestrickte Socken. In der kommenden Nacht bestellte ich ein großes Paket Jerseystoffe, um mir Kleider in meinem Stil zu nähen, mit denen es sich sehr gemütlich sein lässt. Am 10. und 11. Mai schafften wir es für Momente aus der Wohnung heraus, und ich trug meinen sehr flexiblen „Easy Knit-Pencilskirt“ aus grünem Sweatshirtstoff – an einem Tag mit selbstgenähtem Ringelshirt, am nächsten mit einem gekauften. In dieser Woche habe ich mir immer wieder Zeit zum Nähen genommen – mittags, abends und nachts, während mein Sohn schlief. Der 11. und 12. Mai zeigt die ersten Anproben meines neuen Sommermantels nach einem Trench-Coat-Schnitt von Simple Sew, der in dieser Woche entstanden ist und nun nur noch auf die letzten Handstiche wartet. Am 13. Mai kramte ich ein roséfarbenes Kleid mit weißen Punkten und einen selbstgestrickten Cardigan mit Zopfmuster aus dem Schrank – beider Stücke begleiten mich schon jahrelang und sind in den letzten Monaten eher selten getragen worden. Die Nacht zum 14. Mai nutzte ich bis zum Morgengrauen, um an meinem Mantel weiterzuarbeiten. Außerdem bereitete ich den Kleiderschnitt von minikrea für die frisch eingetroffenen Jerseystoffe vor, die gerade vom Vorwaschen trockneten. Am Sonntag Vormittag hatten wir kindfrei – unser Sohn war wieder ganz gesund – und nach nur fünf Stunden Schlaf saß ich wieder an meiner Nähmaschine, nähte das erste Jerseykleid zusammen und behielt es nach der Anprobe für den Rest des Tages an. Auf dem Foto sieht der Saum sehr ungleichmäßig aus, obwohl er es eigentlich nicht ist. Das Halten der Kamera vor dem angetippten Spiegel lässt einige meiner Kleider sehr viel kürzer wirken.

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Montag, 15. Mai bis Sonntag, 21. Mai 2017

Eine sehr nervenaufreibende Woche stand uns bevor. Das wusste ich noch nicht, als ich mich am Montag Morgen im selbstgenähten Ringelshirt mit kürzlich repariertem A-Linien-Rock nach einem Originalschnitt aus den 70er-Jahren fotografierte und mein Mann mit viel Freude ins Bild platzte. Der Tag endete mit einem Abendessen bei tollen Freunden, nachdem wir am Nachmittag stundenlang im Krankenhaus, erst in der Radiologie und dann in der Notaufnahme, ausgeharrt haben. Am Ende zählt für uns nur noch, das der Zwischenstopp in der Notaufnahme notwendig war, für meinen Mann jedoch langfristig nicht weiter dramatisch ist. Also einfach weitermachen … am Dienstag, 16. Mai noch einmal im roten Retro-Hemdblusenkleid. In dieser Woche wurde es merklich wärmer in unserer Region und ich sortierte die Sommerkleider in meinen Schrank. Am 17. Mai trug ich mein Vintage-Vogue-Blumenkleid, dessen nahezu knitterfreie Popeline ein echter Glücksgriff war. Am 18. und 19. Mai trug ich Wickelkleider: das „Crepe-Dress“ von Colette Patterns und mein mein Wickelkleid mit Sternen nach einem Schnitt aus dem niederländischen Kniep-Magazin. Erst auf dem Fahrrad merkte ich, wie windig es an diesem Tag war. Der aufflatternde Rock des vorn gewickelte Kniep-Kleides brachte mich auf meinen Wegen zwischen zu Hause, Kita und Arbeit ganz schön ins Schwitzen. Am Samstag, 20. Mai wurde es erneut gemütlich in einem weiteren meiner neuen Jersey-Kleider. Der Kleiderschnitt von Minikrea lässt so entspannt zusammensetzen und abändern, dass ich binnen weniger Tage vier Kleider danach genäht habe. Hier mit einem weiteren als im Schnitt vorgesehen, am Bund eingereihten Rock. Am Sonntag trug ich das selbe Kleid noch einmal.

Montag, 22. Mai bis Sonntag, 29.Mai 2017

Am Montag, 22. Mai hatte mein Mann erneut einen Termin in der Klinik, zu dem ich ihn begleitete. Wir bekamen gemischte Ergebnisse der Untersuchungen erklärt, die Angst und Hoffnung zugleich machen – kein Foto an diesem Tag. Statt dessen eine wunderbare Freundin von uns, die einfach mal so ganz still und leise über hundert Kilometer in unsere Stadt gefahren kam und auf den passenden Moment wartete um uns zu sagen, dass sie da ist – zum Umarmen und Reden und Zusammensein. Danke!!! Einfach weitermachen ist gerade unser Motto zu Hause: nicht aufgeben, jetzt erst recht nicht! Und so ging es dann am Dienstag in meiner Alltagsuniform weiter: ein schlichter halber Tellerrock mit Ringelshirt. Das geht immer! Am nächsten Tag, 24. Mai: gleicher Rock mit dem selbstgenähten „Pin Up-Sweater“ nach Gretchen Hirsch. Am Himmelfahrtstag-Tag griff ich zum dritten neuen Jerseykleid in knallgrün. Ab Freitag, 26. Mai hatte ich Urlaub und wir verbrachten den Tag in kleiner Familie mit Ausflug an den Fluss und Eisessen. Dazu trug ich wieder einen Kleid nach dem Baukastenprinzip aus Gretchen Hirsch’s „Ultimate Dressbook“, diesmal in einer Variante aus rotem Courtelle-Jersey. Spontan haben wir abends indisch gekocht und mit unseren Nachbarn draußen im Garten zum Essen zusammengesessen. Über Nacht besuchte uns ein Schlafgast: einen Freund meines Mannes, der nach einer Hochzeitsfeier ein Bett suchte. Und so begann der nächste Morgen so entspannt wie ein Tag nur beginnen kann – mit einem gemeinsamen Frühstück bei Sonnenschein und Erzählen über die Hochzeitsfeier, das Brautkleid und alte Geschichten aus dem Freundeskreis. An diesem Tag holte ich meinen gestiftelten Dirndl-Rock mit Taubenmuster aus dem Schrank, den ich dann auch noch einmal am Sonntag trug. Früher heißgeliebt, trage ich den Rock jetzt nur noch zu Hause. Mittlerweile lässt nämlich der Reißverschluss etwas nach und ich störe mich daran, dass ich den Rock nicht gerade im Musterverlauf zugeschnitten habe. Trotz der Fehler mag ich ihn jedoch so gern, dass ich mich noch nicht endgültig trennen kann.

Montag, 29. Mai bis Mittwoch, 31. Mai 2017

Urlaub – ein bisschen zumindest. Weniger Aufteilen zwischen zu Hause und Arbeit. Und als wunderbare Abwechslung zu weiteren Arztterminen die Vorbereitungen für den 3. Geburtstag unseres Sohnes. Am Montag, 29. Mai trug ich mein eigenes Geburtstagskleid vom Vorjahr. Am 30. Mai dann ein von Lena Hoschek und der Provence inspiriertes Sommerkleid. Am letzten Tag im Mai war dann das letzte und vielleicht auch schönste meiner vier neuen Jerseykleider an der Reihe, die in den zurückliegenden zwei Wochen entstanden sind. Tatsächlich habe ich im Mai seh sehr viel genäht! Nicht nur für mich, sondern auch für unseren Sohn: maritime T-Shirts, kuschelige Schlafanzüge, ein Wolkenkissen und Bettbezüge, die hoffentlich Lust darauf machen, abends schneller ins Bett zu gehen (:

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Abends habe ich gestrickt, während wir gemütlich auf der Couch zusammen saßen. Beim Rattern der Nähmaschine und Durchziehen von Stoffbahnen merke ich, wie ich Anspannung abgeben kann. Sie ist nicht weg, aber sie lässt sich so besser aushalten. Der Geburtstag unseres Sohnes, den wir ganz spontan mit Kindern und Freunden gleich an zwei Nachmittagen feierten, war ein wunderschöner Start in den neuen Monat. Schön, am Ende des Me Made May das überhaupt Beste zu feiern, dass mein Mann und ich je selbst gemacht haben. (: Und auch wenn wir gerade jetzt in diesen Tagen mal wieder abwarten und aushalten müssen, hoffe ich sehr, dass diese zwei wunderbaren Tage erst der Anfang eines guten Sommers sind!

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Wie war euer selbstgemachter Mai?

Liebe Grüße, K*

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5 Kommentare zu „Mein selbstgemachter Mai

  1. Wunderschöne Kleider. Alle. Ein bisschen Konzentration auf Äußerlichkeiten tut in schwierigen Zeiten auch manchmal einfach gut! Das ist auch Stärke.
    Aus vielerlei Gründen kann ich sehr gut mitfühlen, und drücke Euch ganz besonders die Daumen für bestmögliche Ergebnisse überhaupt. Und viel Luft zwischendrin um mal an was anderes denken zu können, die Termine reißen einen doch immer wieder runter.
    Liebe Grüße, frifris

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