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Wenn der Postmann zweimal klingelt … und Schnittmuster bringt

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Vor Kurzem kamen für mich in unserem zu Hause einige sehr schöne Dinge an einem Abend zusammen: ein friedlich schlafendes Kleinkind neben einem ganz tief schlafenden Mann, ein aufgeräumtes und gemütliches Wohnzimmer sowie noch ungehörte Folgen des wunderbaren Näh-Podcasts von Muriel. Und als wäre das nicht schon Grund genug sehr lang aufzubleiben und den Moment zu genießen, kam es dann noch zu einer zufälligen Entdeckung von Onlineshops mit reduzierten Schnittmustern von Vogue Patterns, McCall’S, Butterrick und Simplicity. Der Abend endete für mich glücklich und müde um 2 Uhr nachts. Die Ausbeute trudelte in den vergangenden Tagen Päckchen für Päckchen ein, und meine Freude über die Fülle an Inspirationen und zukünftige Nähprojekte ist sehr sehr groß.

Die gekauften Schnitte möchte ich hier kurz vorstellen. Vielleicht fällt es mir dann auch leichter, einen Favoriten zu wählen, mit dem ich beginne.

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Vintage-Vogue Patterns: Das Schnittmuster V9105 erinnert mich durch die schräg verlaufende Knopfleiste im Vorderteil an Mantelkleider. Der Ausschnitt und die Ärmel gefallen mir besonders gut. V8999 interessiert mich vor allem auf Grund der ungewöhnlichen Schnittführung im Bauchbereich auslaufenden bis zum Saum. Ein erster Blick in die Anleitung hat gezeigt, dass das Kleid unterhalb der Brust aus vielen vielen Bahnen oder auch Godets (10 Schnittteile die insgesamt 20 Stoffbahnen ergeben) zusammengesetzt wird – eine große Fleißarbeit beim Zuschneiden, die jedoch gleichzeitig viele Möglichkeiten verspricht, die ideale Passform herausarbeiten zu können. Zuschneiden ist der Teil des Schneiderns, den ich weniger gern mache als alle anderen Schritte. Und dennoch reizt mich dieser Schnitt momentan ganz besonders. Wenn der Stoff 1,50m breit liegt, braucht es fast 6m für ein Kleid nach dem Schnitt. Auch das im Muster enthaltene Jäckchen gefällt mir sehr gut!

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Butterick: Sowohl das neue Gertie-Schnittmuster B6380 als auch B5030 der Reihe „six sew easy“ erinnert mich an die schmaleren schwingenden Kleider der 40er Jahre – die Fältchen durch das Einreihen des Stoffes an den Schultern, im Rücken und anstelle der Brustabnäher, die schmale Taille in Verbindung mit Röcken, die zwar Weite haben, aber nicht so schier verschwenderisch voll wie im Stil der 50er sind. Solche Kleider trage ich im Alltag sehr sehr gern. Beide Kleider benötigen etwa 2m Stoff und könnten zu den ersten gehören, die ich umsätze. Bei dem Schnitt B5030 kann ich mich aktuell noch gar nicht zwischen den Varianten C, D, E und F entscheiden. Eine ähnliche schmale Passform hat das Kleid B6168 der Reihe „lisette“, das natürlich vor allem auf Grund des außergewöhnlichen Ausschnitts auffällt. Ich habe Kleider nach diesem Schnitt in den letzten zwei (?) Jahren auf einigen Blogs gesehen und war immer wieder sehr angetan von den fertigen Stücken. Seit dem bin ich um den Schnitt herumgeschlichen, und nun habe ich ihn zu Hause.

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Designerschnitte Simplicity und Vogue-Patterns: Die Schnitte von Cynthia Rowley gefallen mir grundsätzlich sehr. Mit dem Schnittmuster 8086 von Simplicity habe ich nun erstmals einen Schnitt aus der Reihe der Designerin gekauft und bin absolut hingerissen von den Varianten B und C mit dem weiten Oberteil zum Rock, das hinten nur durch einen Knopf im Nacken geschlossen wird. Allerdings würde ich mit der Länge des Rockes experimentieren und den Saum in die Nähe der Knie legen. Ich kann mir nach diesem Schnitt sowohl ein Sommerkleid als auch ein Kleid für schicke Anlässe vorstellen,  jeweils mit der passenden Wahl des Materials. Die beiden Designerschnitte von Vogue Patterns, die Kombination aus weitem Stufenrock und kurzem Oberteil von Nicola Finetti (V1486) und das Kleid von Ralph Rucci (V1404), erinnern mich an Passformen der 60er Jahre, während sie gleichzeitig sehr modern umgesetzt sind. Bei beiden Projekten brauche ich für eine gute Umsetzung bestimmt viel Zeit für die zahlreichen verborgenen Details. Darauf freue ich mich, auch wenn die Schnitte aus diesem Grund bestimmt nicht in naher Zukunft umgesetzt werden. Ich werde erst einmal die Augen nach besonderen Stoffen offen halten, die ich für die Schnitte nutzen kann.

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The Archive Collection von McCall’S: Zwei Schnittmuster, die dem Stil der 30er Jahre entsprechen und die ich auf Grund ihrer Schnittführung sehr spannend finde. M7153 ist ein schmales Tageskleid, dessen Saum ich lediglich auf Höhe der Knie kürzen würde. Das Kleid besteht aus erstaunlich vielen Schnittteilen, die bei Stoffen mit Streifen schöne Kombinationen des Musterverlaufes ermöglichen. Wahrscheinlich benötigt man daher fast 3m an Material. Das Abendkleid M7154 war übrigens der Auslöser der großen Schnittmusterbestellung. Ich hatte den Schnitt im Internet entdeckt und war von der Kombination des blusige Oberteils zum langen Rock, der an Taille und Hüfte eng anliegt, begeistert. Ich recherchierte, ob ich ihn zu günstigeren Konditionen bekommen könnte, als ihn direkt in Amerika zu bestellen. Und dabei stieß ich auf Onlineshops in Deutschland und England, welche zahlreiche amerikanische Schnitte führten, welche dann auch noch enorm im Preis reduziert waren. Dem konnte ich nicht widerstehen …

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Simplicity 1950s Vintage: 8085 ist mittlerweile der vierte Kleiderschnitt im Stil des Walk Away-Dress, der nun in meiner Schnittmusterkiste eingezogen ist. Ich glaube, da ist langsam eine Sammelleidenschaft erkennbar – das Markenzeichen der sehr schnell zu nähenden Kleider, sie lediglich durch Zubinden und Knöpfen zu schließen, finde ich sehr spannend. Und da die Kleider in der Regel nicht gefüttert werden, sind sie wirklich im Nuh fertig gestellt. Gleichzeitig reizt es mich, aus dem simplen Schnitt eine gute Passform heraus zu holen. Der Jackenschnitt 1319 scheint sowohl zu schmalen als auch zu weiten Röcken zu funktionieren und interessiert mich sehr. Seit dem ich die Filme und Videos von Rosa auf ihrem Blog fancyfrugality entdeckt habe, habe ich große Lust darauf, mich mehr mit dem Nähen von Mänteln und Jacken zu beschäftigen. Für Variante B – oben links in rot abgebildet – braucht es reichlich 2m Obertoff und 1m Futter.

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Simplicity 1950s Vintage: Um den Schnitt des Bikini-Oberteils 1426 schleiche ich schon einige Zeit herum. In den vergangenen Jahren habe ich zwei Badeanzüge und einen Bikini genäht, alle Teile jeweils im Retrostil. Und auch wenn ich die entstandenen Badesachen nach wie vor sehr tragbar finde, gibt es nähtechnisch noch viel Platz für Entwicklung und Verbesserung. Die Varianten A, B und C finde ich sehr vielversprechend für einen neuen Bikini, für den ich einen idealen Bikinihosenschnitt schon gefunden habe. Aber auch Bustiertops aus dunklen oder gemusterten Stoffen, die man dann im Sommer durch leichte Baumwollblusen durchscheinen lassen kann, wären eine schöne Möglichkeit für die Umsetzung des Schnittes. Ergänzend passt dazu der Bademantel des Schnittes 8139. Da bekomme ich gleich wieder Lust auf Badesee und Meer. In der Sealife-Kollektion von Lena Hoschek, die sie im Juli diesen Jahres in Berlin zeigte, war ein Kurzmantel als Sommerjacke dabei, an den ich immer denken muss, wenn ich den Schnitt in die Hand nehme. Zwei schöne Projekte für den nächsten Sommer …

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Vogue Patterns: Der Schnitt V8888 ist einer, der Pyjama, Nachthemd und Morgenmantel beinhaltet. Unabhängig davon, dass die vielen Teile in einem Schnitt sehr praktisch sind,  gefallen mir die Passformen sehr gut. Ich möchte den Schnitt auch nutzen, um mir Unterkleider zu nähen, die mir bei manchen Kleidern dann das Füttern ersparen oder einfach noch als eine weitere wärmende Schicht im Winter funktionieren.

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McCall’S: Und zu guter Letzt der Schnitt M7081, dessen Umsetzungen ich schon auf vielen Blogs anschauen konnte – ein schlichtes Kleid mit weitem Rock, Wickeloptik im Oberteil und kleinem Kragen. Ich denke, dass daraus ein schönes Kleid für den Frühling und Frühsommer werden kann, mit einer gemusterten Baumwolle in hellen Farben. Das also dann auch im nächsten Jahr …

Nun bin wohl nicht nur für Monate, sondern für die nächsten Jahre beschäftigt. Anfangen möchte ich damit, mir auf dem Stoffmarkt im Oktober Material für ein Projekt auszusuchen und dieses dann zu nähen. Nachdem ich mich für diesen Post noch einmal intensiv mit jedem einzelnen Schnitt beschäftigt habe, stehen auf der Liste ganz weit vorn: das Bahnen-Kleid nach dem Vintage Vogue-Schnittmuster, der Gertie-Schnitt sowie das Wickelkleid von Butterick. Vielleicht wage ich mich aber auch an das Tageskleid der McCall’S-Archive Collection oder die Jacke nach Simplicity-Schnitt aus den 50ern. Habt ihr Erfahrungen mit einem der vorgestellten Schnittmuster, die ihr mir weitergeben könnt? Kennt ihr euch aus, ob die Größen von McCall’S und Simplicity eher reichlich oder eng ausfallen? Ich freue mich über Anregungen und Hinweise von euch!

Die grüne Wolle, die ihr auf manchen Bildern seht, gehört im Übrigen zum Cardigan „Made So Quickly“ aus dem Buch „A Stich In Time“ von Susan Crawford, den ich schon einmal auf dem Blog vorgestellt habe. Nach mehr als eineinhalb Jahren habe ich nun endlich alle Teile gestrickt! Jetzt muss ich nur noch die Ärmel einsetzen und Knöpfe annähen, dann ist die Jacke fertig … made so slowly, aber das ist ok so.

Liebe Grüße, K*

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2 Kommentare zu „Wenn der Postmann zweimal klingelt … und Schnittmuster bringt

  1. Tolle Auswahl, da sind eingie Sachen dabei, die ich wohl auch mal auf meine Merkliste setzen muss – vorallem V8888. Ich suche schon ewig nach einem schönen Schnitt für Unterkleider.
    V9105 habe ich in diesem Jahr selber genäht – als Hochzeitsgastkleid. Da ich erst im Januar meine ersten Versuche an der Nähmaschine gestartet habe, war es eine spannende Herausforderung für mich.
    Da wünsch ich dir viel Spaß beim Nähen!

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